Abu Simbel liegt etwa 280 Kilometer südlich von Assuan am Nassersee und besteht aus zwei Felsentempeln: dem Großen Tempel Ramses‘ II. und dem kleineren Tempel für seine Gemahlin Nefertari. Sie erreichen ihn auf der Straße, per Flug oder mit einer Kreuzfahrt auf dem Nassersee. Der Besuch dauert meist etwa zwei Stunden. Jedes Jahr am 22. Februar und 22. Oktober fällt das Sonnenlicht bis ins Allerheiligste. Dieser Beitrag erklärt Geschichte, Anreise und Besuch.
Das Wichtigste in Kürze
- Was: Zwei Felsentempel aus der Zeit Ramses‘ II., um 1264 v. Chr. begonnen.
- Wo: Am Westufer des Nassersees, rund 280 Kilometer südlich von Assuan.
- Anreise: Straße (etwa drei Stunden pro Richtung), Flug oder Schiff.
- Sonnenfest: 22. Februar und 22. Oktober, an diesen Tagen ist es sehr voll.
- Status: Teil der Nubischen Denkmäler, UNESCO-Welterbe seit 1979.
Was Sie in Abu Simbel sehen
Der Große Tempel
Die Fassade ist rund 33 Meter hoch und 38 Meter breit. Vier sitzende Kolosse Ramses‘ II. blicken über den See, jede Statue ist bis zu 20 Meter hoch. Über dem Eingang steht der falkenköpfige Sonnengott Re-Harachte. Innen führt eine Halle mit acht Pfeilern, an denen Ramses als Osiris dargestellt ist, zu einem tiefen Heiligtum. Dort sitzen vier Götterfiguren: Ptah, Amun-Re, Ramses selbst und Re-Harachte.

Die Reliefs an den Wänden zeigen die Schlacht von Kadesch, bei der Ramses II. gegen die Hethiter kämpfte. Der Pharao stellte den Ausgang als großen Sieg dar, obwohl er nach heutiger Sicht eher unentschieden endete. Die Bilder sind ein Beispiel dafür, wie die Ägypter Politik in Stein erzählten.
Der Tempel der Nefertari
Direkt daneben liegt der kleinere Tempel für Königin Nefertari und die Göttin Hathor. Auf der Fassade stehen Statuen des Königs und der Königin, die ungewöhnlich gleich groß sind. Das ist selten, denn Königinnen werden sonst kleiner dargestellt. Es zeigt, wie wichtig Nefertari für Ramses war.

Die Rettung der Tempel
In den 1960er Jahren stieg durch den Hochdamm bei Assuan der Wasserspiegel des Nils. Die Tempel von Abu Simbel wären im See verschwunden. Die UNESCO startete einen internationalen Aufruf, Staaten und Spender halfen mit Geld und Technik. Die Tempel wurden zersägt, in Blöcke zerlegt und rund 60 Meter höher am Hang neu aufgebaut. Die Arbeiten liefen von 1964 bis 1968.
Im Inneren des künstlichen Berges verbirgt sich eine Kuppel aus Beton, die das Gewicht trägt. Von außen sehen Sie nur Fels, doch der Berg ist ein Bauwerk, das die Tempel stützt.
Das Sonnenfest
Der Tempel wurde so ausgerichtet, dass das Sonnenlicht zweimal im Jahr bis in das Heiligtum fällt und drei der vier Götterfiguren erleuchtet. Ptah, der mit der Unterwelt verbunden ist, bleibt im Schatten. Nach der Verlegung der Tempel verschob sich der Termin um einen Tag, heute sind es der 22. Februar und der 22. Oktober. Viele Gäste kommen zu diesen Tagen eigens an. Dann ist es früh am Morgen sehr voll, und Sie sollten mit Warteschlangen rechnen. Wer die Atmosphäre ohne Menschenmengen erleben möchte, wählt einen anderen Tag.
Anreise nach Abu Simbel
| Weg | Dauer | Hinweis |
|---|---|---|
| Straße ab Assuan | etwa 3 Stunden je Richtung | sehr früh am Morgen abfahren |
| Flug ab Assuan | kurzer Flug plus Transfers | spart Zeit |
| Schiff auf dem Nassersee | 3 oder 4 Nächte | Abu Simbel als Höhepunkt der Reise |
Die Straße führt durch die Wüste. Sie sehen kaum Dörfer, vor allem Sand und Weite. Viele Veranstalter fahren sehr früh los, damit die Gäste vor der Hitze zurück sind. Das bedeutet ein frühes Aufstehen, oft schon mitten in der Nacht.
Abu Simbel auf dem Nassersee
Wer mit dem Schiff anreist, erlebt die Tempel anders als Tagesgäste. Sie kommen am Ufer an, ohne die lange Fahrt durch die Wüste, und können die Anlage in Ruhe ansehen. Die Reisen Nassersee: 3 Nächte von Abu Simbel nach Assuan und Nassersee: 4 Nächte von Assuan nach Abu Simbel bauen darauf auf. Unterwegs besuchen Sie weitere nubische Tempel, die ebenfalls vor dem Stausee gerettet wurden. Was Sie auf dem Weg erwarten, vergleicht der Beitrag Nilkreuzfahrt oder Nassersee-Kreuzfahrt.
Praktische Tipps
Zeit. Planen Sie für beide Tempel etwa zwei Stunden ein. Mit Fotos und Erklärungen kann es länger dauern.
Hitze. Die Sonne ist stark, und Schatten gibt es kaum. Hut, Sonnenbrille und Wasser sind Pflicht.
Kombination. Wer in Assuan wohnt, kann Abu Simbel als Tagesausflug machen. Dazu passt der Beitrag Assuan Sehenswürdigkeiten. Die Gesamtroute der Flussreisen bietet der Ratgeber zur Nilkreuzfahrt in Ägypten. Zur Planung nach Jahreszeit passt der Beitrag Beste Reisezeit für Nil, Luxor und Assuan.
Wer war Ramses II.?
Ramses II. regierte rund 66 Jahre lang, von etwa 1279 bis 1213 v. Chr., und zählt zu den bekanntesten Pharaonen. Er führte Kriege, schloss einen frühen Friedensvertrag mit den Hethitern und ließ in ganz Ägypten bauen. Abu Simbel war ein Zeichen an Nubien: Wer von Süden kam, sah als Erstes die vier Kolosse und verstand, wer hier herrschte. Der Tempel diente also auch der Politik, nicht nur der Religion. Das erklärt die Größe der Statuen und die zahlreichen Bilder des siegreichen Königs.
Wie der Tempel gebaut ist
Der Große Tempel ist in den Fels geschlagen und reicht rund 60 Meter tief in den Berg. Der Weg führt durch eine Pfeilerhalle, einen kleineren Saal und ein Vorzimmer bis zum Heiligtum. Mit jedem Raum wird es enger und dunkler. Die Ägypter wollten, dass der Besucher beim Hineingehen den Kontakt zum Göttlichen spürt. Das Sonnenlicht am 22. Februar und 22. Oktober durchquert diese Achse in einem schmalen Strahl und ist das Ergebnis genauer Planung.
Ablauf vor Ort
Vom Parkplatz gehen Sie zu Fuß zum Eingang, vorbei an Kiosken und Toiletten. Der Weg führt zunächst zum Großen Tempel, dann zum Nefertari-Tempel. Danach lohnt sich ein Blick über den See, denn die Tempel schauen nach Osten auf das Wasser. Viele Besucher gehen zügig durch, doch gerade die Ruhe vor der Fassade macht den Reiz aus. Nehmen Sie sich ein paar Minuten, bevor Sie hineingehen.
Weitere nubische Tempel am See
Abu Simbel ist nicht der einzige gerettete Tempel. Kalabsha, der größte freistehende Tempel Nubiens, wurde in der Nähe des Damms neu aufgebaut. Wadi es-Sebua, Amada und Derr liegen weiter südlich am See. Auf einer Seereise besuchen Sie je nach Fahrplan einige davon. Sie sind kleiner und weniger besucht als Abu Simbel, aber sie zeigen, wie breit das Rettungsprogramm der 1960er Jahre war.
Häufige Fragen
Wo liegt Abu Simbel?
Abu Simbel liegt am Westufer des Nassersees, etwa 280 Kilometer südlich von Assuan und nahe der Grenze zum Sudan.
Wie kommt man nach Abu Simbel?
Per Straße ab Assuan in etwa drei Stunden je Richtung, per Flug oder mit einer Kreuzfahrt auf dem Nassersee. Die Straße ist die gängige Tagesausflugsvariante, die Kreuzfahrt die ruhigste.
Was ist das Sonnenfest in Abu Simbel?
Das Sonnenlicht erreicht am 22. Februar und am 22. Oktober das Allerheiligste im Großen Tempel. Dann ist der Besuch besonders voll.
Wer baute Abu Simbel?
Pharao Ramses II. ließ die Tempel um 1264 v. Chr. bauen. Der Große Tempel galt dem König und den Göttern, der kleine seiner Gemahlin Nefertari und der Göttin Hathor.
Warum wurden die Tempel versetzt?
Der Hochdamm bei Assuan hätte sie unter Wasser gesetzt. Deshalb wurden sie in den 1960er Jahren zerlegt und auf höherem Gelände neu aufgebaut.
